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Praxissemester
im Land der aufgehenden Sonne
Leben und Lernen in einem Land zwischen Mythos und Moderne |
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Verbeugungen
richten sich im wesentlichen nach beruflicher Position und Alter. Selbst
für Japaner, die sich das erste Mal treffen, ist dieses Begrüßungsritual
nicht so einfach. Und es liegt an der japanischen Höflichkeit, daß das
Erlernen für einen Nicht-Japaner schwierig ist. So wollte ich anfangs
gerne etwas mehr über das richtige Verhalten bei Begrüßung und Verabschiedung
erfahren und habe deshalb meine Betreuer gefragt, ob ich mich richtig
verhalten habe. Dabei bekam ich immer zur Antwort, daß ich alles richtig
mache. Mit der Zeit wurde mir bewußt, daß man glaubte, man würde mich
kritisieren oder eventuell sogar verletzen, wenn man mein Verhalten
korrigiere. Diese Höflichkeit und harmonische Umgangs-weise ist mir
stets sehr positiv aufgefallen. Zunächst erzählte mir der Abteilungsleiter
etwas über die Firmengeschichte, über Produktbereiche, Verkaufszahlen
usw. |
Dazu erhebt man sich, um danach mit einer allgemeinen Verbeugung "ohayo
gozaimasu" (Guten Morgen) auszurufen. In Japan fühlt man sich in der Firma
ganz wie zu Hause. Das zeigt sich schon daran, daß man gewöhnlich seine
Straßenschuhe gegen gemütlichere Hausschuhe tauscht. Zum einheitlichen
Erscheinungsbild der Firmenangehörigen gehört auch eine Art Arbeitsuniform,
die bei Toko im wesentlichen aus einer hellbraunen Uniform-Jacke bestand.
Im Sommer wurde diese Jacke durch eine dünnere, hellblaue Weste eingetauscht.
Sehr auffällig war für mich auch die Anordnung der Schreibtische innerhalb
der Abteilung, worin sich die hierarchische Struktur widerspiegelte. Die
innerbetriebliche Stellung richtet sich übrigens im wesentlichen nach
der Zahl der Dienstjahre und dem Alter der Arbeitnehmer. Dieses Senioritätsprinzip
verdeutlicht einerseits die japanische Grundhaltung, die Erfahrung des
Alters hoch zu bewerten; andererseits werden individuelle Leistungen nicht
gefördert. Der wesentliche Vorteil dieses Prinzips ist, daß der Ältere
sein Fachwissen und die über die Jahre erworbenen Erfahrungen ohne Be-denken
an den Nachwuchs weitergibt. Die Gefahr, sich durch Nichtweitergabe fachlichen
Wissens Vorteile im beruflichen Fortkommen zu schaffen, besteht hier nicht.
Auch hat die innerbetriebliche Ausbildung, bei der die älteren Mitarbeiter
ihr Wissen an die jüngeren weitergeben, einen hohen Stellenwert. Den Arbeitsprozeß
als solchen empfand ich bei weitem nicht so hektisch, wie man aufgrund
der bei uns verbreiteten Vorurteile erwartet. Die typische Mahlzeit während
der 40minütigen Mittagspause bestand immer
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